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Einsatzgebiete der Parlay ISDN Multiplexer (kb2815)

Die Information in diesem Artikel betrifft die folgenden Produkte:

  • Parlay i8
  • Parlay i60
  • SwyxWare alle Versionen

[ Information | Referenzen ]


Information

Beim den Parlay Multiplexern handelt es sich grundsätzlich erst einmal um ISDN-Router, wobei die Fähigkeiten der Geräte allerdings weit über das übliche Maß hinausgehen. Die Funktionen, die von einem Parlay zur Verfügung gestellt werden, sind sehr umfangreich, da die Geräte Rufe nicht nur routen, sondern auch entgegennehmen, bearbeiten und bei Bedarf selbst aufbauen können.

Die Einsatzmöglichkeiten sowohl des Parlay i60 als auch des Parlay i8 sind sehr weitgefächert, wobei das modulare Konzept des i60 eine Anpassung an die verschiedensten Szenarien ermöglicht, während der i8 mit seinen acht S0-Anschlüssen nicht harwareseitig variabel ist. Im Folgenden beschränkt sich dieser Artikel daher, solange es um die Hardwarebeschreibung geht, hauptsächlich auf den i60 - Der i8 bietet Softwareseitig praktisch die gleichen Möglichkeiten, ist aber auf vier S0-Ports im TE- und weitere vier im NT-Modus beschränkt, die auch nicht umkonfiguriert werden können.

Die verfügbaren Anschlüsse des Parlay i60 sind durch das modulare Konzept des Gerätes recht frei konfigurierbar. Es stehen insgesamt vier Schächte für ISDN-Module zur Verfügung, die wahlweise mit PRI oder BRI Interfaces bestückt sein können. Die einzige Ausnahme bildet der erste Schacht - Hier können prinzipiell nur PRI Interfaces verbaut werden, die auch immer im TE-Modus betrieben werden. Der erste Schacht stellt den Master-Anschluß des i60 dar, von dem auch die Taktung der anderen Module abgeleitet wird. Der dritte und vierte Schacht müssen nicht zwangsweise bestückt werden, sie können einfach offen bleiben, wenn nur eine geringe Zahl von Interfaces benötigt wird.

Weitere PRI-Module können wahlweise im NT- oder TE Modus betrieben werden, wohingegen BRI Module, die jeweils vier S0-Ports zur Verfügung stellen, nur im NT-Modus betrieben werden können. S0-Anschlüsse, die vom Amt her kommen, können also mit dem i60 nicht bedient werden. Eine Speisung für die angeschlossenen Endgeräte ist nur sehr rudimentär vorgesehen, die angeschlossenen Geräte müssen also über eine eigene Stromversorgung verfügen. Es ist zwar theoretisch möglich, maximal ein ferngespeistes S0-Telefon pro BRI-Modul anzuschließen, aber dies wird höchstens für Testzwecke empfohlen - Die Speisung aus dem BRI-Modul sollte nicht im Wirkbetrieb benutzt werden!

Die PRI-Module liegen in zwei verschiedenen Ausführungen vor, entweder mit je einem BNC-Anschluß für die RX- bzw. die TX-Richtung, oder aber mit RJ-45 Buchsen. Der freigewordene Platz im Falle eines RJ-45 Moduls, bei dem ja eine Buchse beide Richtungen bedient, wurde sinnvoll genutzt: Diese Module enthalten jeweils zwei Buchsen, bei denen die TX- und RX-Paare getauscht wurden, so dass man im Zweifelsfall nicht mit gekreuzten Kabeln arbeiten muß, sondern einfach die funktionierende der beiden Buchsen benutzt. Die beiden Buchsen sind dabei direkt miteinander verdrahtet, sind also nicht als getrennte Anschlüsse vom i60 ansprechbar!

Die Stromversorgung des i60 ist ebenfalls variabel. Wahlweise kann die Versorgung über das integrierte Schaltnetzteil sichergestellt werden, das Eingangsspannungen von 90 bis 260 Volt akzeptiert, oder über den 48V-Gleichspannungsanschluß, der die Integration in TK-Racks bei Serviceprovidern sehr vereinfachen kann, da dort die unterbrechungsfreie Stromversorgung meistens über ein Batteriegepuffertes 48V-System realisiert ist. Mit einer Aufnahmeleistung von maximal 12 VA ist der i60 dabei äußerst genügsam und sollte kaum ins Gewicht fallen.

An der Frontseite des i60 stehen noch zwei serielle Anschlüsse zur Verfügung: Die eine (DCE) ist für die Verbindung zu einem Computer gedacht, auf dem die Management-Software (RouteMaker) installiert wird. Der DTE-Anschluß ist für das Hintereinanderschalten mehrere i60 gedacht (Daisy-Chaining), die somit alle über einen einzigen gemeinsamen seriellen Port fernwartbar sind.

Weitere Informationen über das Äußere des i60 und die Lage der veschiedenen Anschlüsse gibt es im i60 installation guide

Die vielseitigen Programmiermöglichkeiten des i60 machen das Gerät für verschiedenste Einsatzzwecke tauglich - tatsächlich kann man fast jedes denkbare Szenario mit einem oder mehreren i60s lösen, solange die gestellten Aufgaben im weiten Sinne irgendetwas mit dem Routen von ISDN-Rufen zu tun haben. Als Referenzen finden sich unten am Artikel angehängt zwei Links zu PDF-Dokumenten des Herstellers - In diesen Dokumenten sind verschiedene Anwendungsszenarien sowohl für Firmen als auch für Provider aufgeführt, und zwar in Form einer Skizze und der dazugehörigen Liste der realisierten Funktionen. Diese Szenarien verschaffen einen gewissen Überblick darüber, was mit dem i60 realisierbar ist, und sie tun dies weit besser als eine Liste der internen Funktionen des i60, da viele der in den Beispielen realisierten Routingfunktionen erst durch das Zusammenspiel mehrerer i60-Features abgebildet werden und daher eine reine Auflistung der Vielseitigkeit des Gerätes einfach nicht gerecht wird.

Anrufe können natürlich anhand einfacher Tabellen weitergeleitet werden, in denen zum Beispiel Quell- und Zielrufnummern hinterlegt sind. Die Möglichkeiten des Gerätes gehen aber weit darüber hinaus. Anrufe können unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, auf welchem Anschluß sie ankommen, wobei sogar die verfügbaren B-Kanäle eines PRI zu einzelnen Gruppen zusammengefaßt werden können, die unterschiedlich behandelt werden sollen. Zeitabhängiges Verhalten ist ebenfalls programmierbar, und auch das Annehmen eines Rufes und Abspielen von Ansagen mit anschließender DTMF-Eingabe in eine Variable für mehr oder weniger komplexe IVR-Systeme sind möglich.

Nicht alle Features des i60 stehen dabei standardmäßig zur Verfügung, manche müssen erst mittels spezieller Lizenzen freigeschaltet werden. Eine Änderung an der Hardware ist allerdings für eventuelle Feature-Erweiterungen nicht nötig - Wenn man einen Parlay i60 so konfiguriert hat, dass er über die für ein Projekt nötigen Ein- und Ausgänge verfügt, ist alles weitere eine reine Software- bzw. Lizenzfrage.

Im Zusammenspiel mit einer SwyxWare muß allerdings gesagt werden, dass hier das IVR eindeutig in der SwyxWare aufgebaut werden sollte, da diese für derartige Systeme weitaus besser und umfangreicher ausgestattet ist. Auch sind Pflege und nachträgliche Änderungen in der SwyxWare wesentlich einfacher zu handhaben, als es mit dem RouteMaker Tool des i60 möglich ist.

In Zusammenarbeit mit einer SwyxWare ermöglichen die Parlay-Router eine Form von "sanfter Migration", wenn ein Unternehmen von einer klassischen TK-Anlage auf die SwyxWare umstellen will. Wenn zum Beispiel bislang die klassische Anlage direkt an einem PRI-Anschluß hing, so kann man zum Beispiel, wie auf dem folgenden Schaubild, einen i60 mit drei PRI-Modulen benutzen. Der primäre Anschluß geht zum Amt, während die beiden weiteren PRI-Module für NT-Modus konfiguriert werden und jeweils die klassische Anlage bzw. die SwyxWare versorgen.

Mögliches Migrationsszenario mit Parlay i60
Mögliches Migrationsszenario mit Parlay i60
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In diesem Beispiel würde man folgendermaßen vorgehen, um die Migration so transparent wie möglich zu gestalten: Abgehende Rufe werden vom Parlay von beiden TK-Anlagen entgegengenommen und direkt ans Amt weitergereicht, solange freie Leitungen vorhanden sind - Überlastsituationen sind möglich, da ja sowohl auf der SwyxWare als auch auf der klassischen Anlage bis zu 30 B-Kanäle belegt werden können, zum Amt aber natürlich keine 60 verfügbar sind. In diesem Fall wird der Ruf mit einem "besetzt" abgelehnt.

Im Parlay sind nun mehrere Routingtabellen nötig, um alles reibungsfrei ans Laufen zu bekommen, die aber einfach mit der RouteMaker Software vom Administrator selbst gepflegt werden können - Die Änderungen, die an der TK-Anlage gemacht werden müssen, beschränken sich auf Rufumleitungen, die am Telefon des jeweiligen Teilnehmers als letzte Aktion eingeschaltet werden, bevor das "alte" Telefon entfernt wird. Das ganze Szenario soll hier nun kurz beschrieben werden, um die Funktionsweise klarzumachen.

  1. Kommt ein Ruf vom Amt herein, so wird der Parlay anhand einer Tabelle feststellen, ob der Ruf noch zur klassischen Anlage gehen soll oder ob die Nummer bereits in der SwyxWare konfiguriert ist, und den Ruf daraufhin entweder an PRI2 oder PRI3 durchleiten. Für den externen Anrufer ändert sich nichts, die gewählte Nummer ist die gleiche wie immer.

  2. Will ein SwyxWare-Benutzer einen Teilnehmer der klassischen Anlage anrufen, so wählt er wie bisher einfach dessen Durchwahl - Die SwyxWare ist so konfiguriert, dass alle Durchwahlen, die nicht lokal in ihr selbst konfiguriert sind, zum Parlay hin abgeworfen werden - Der Parlay wiederum erkennt anhand seiner Tabellen, dass der Ruf für die klassische Anlage gedacht ist und stellt den Ruf dorthin zu, nötigenfalls um die eigene Anschlußnummer erweitert, falls die TK-Anlage die komplette Rufnummer erwarten sollte.

  3. Will ein Teilnehmer der klassischen Anlage einen der SwyxWare Teilnehmer anrufen, so kann er eine "0" vorwählen, um zuerst zum Parlay "hinauszuwählen", der dann anhand seiner Tabellen die SwyxWare als Ziel erkennt und den Ruf dorthin zustellt. Noch besser, weil sich für die User dann gar keine Änderung ergibt, ist folgende Variante: Als letzte Amtshandlung vor dem Abbau des Telefons stellt der Benutzer an seinem bisherigen Systemtelefon eine feste Umleitung seiner Nummer ein, und zwar an seine bisherige eigene Durchwahl plus einer "0" davor. Die Durchwahl "234" wird damit fest umgeleitet auf die "0234". Ruft nun ein Teilnehmer der klassischen Anlage die "234" an, wird er automatisch mittels der führenden "0" als Amthsholung zum Parlay weitergeleitet, der seinerseits den Ruf in die SwyxWare durchvermittelt - Der Anrufer muss sich um gar nichts kümmern und wählt wie gehabt einfach die ihm bekannten internen Durchwahlen seiner Kollegen.

Ein interessanter "Nebeneffekt" bei der Verwendung von parlay-Routern ergibt sich aus der Tatsache, dass die einzelnen Interfaces mit verschiedenen ISDN-Standards betrieben werden können. Zur Verfügung stehen hier die Protokolle DSS1 (Euro-ISDN), 1TR6 (alter deutscher Standard), DASS2 (teilweise in England in Verwendung) und INS (japanisch). Dadurch läßt sich der i60, genau so wie übrigens auch die kleineren Versionen wie die reine BRI-Lösung i8, zusätzlich zu seinen anderen Features gleichzeitig als Protokollkonverter einsetzen.


Referenzen

Soweit die von uns gelieferte oder/und verwendete Software Open Source Elemente beinhaltet, gelten zusätzlich die unter https://www.swyx.de/open-source einsehbaren zusätzlichen Bedingungen. Welche Produkte aus dem Swyx Portfolio Open Source Elemente beinhalten und welche Open Source Lizenz einschlägig ist, ergibt sich aus der unter folgender URL einsehbaren Liste https://www.swyx.de/open-source.

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